Prinz Johann Georg-Sammlung

(Dauerleihgabe an das Landesmuseum Mainz)

Der Wettiner Prinz Johann Georg, Herzog zu Sachsen, wurde am 10. Juli 1869 in Dresden als zweiter Sohn des Prinzen Georg geboren; sein Bruder Friedrich August war der letzte regierende König von Sachsen. Sein großes Kunstinteresse veranlasste den Prinzen zu zahlreichen Reisen, die ihn vor allem in die europäischen Nachbarländer, in den Nahen Osten und nach Ägypten führten. Auf all seinen Reisen erwarb er zahlreiche Kunstwerke und Gegenstände des Alltags. Im Jahr 1898 reiste Prinz Johann Georg nach Russland, um die Kunstschätze der dortigen Kirchen und Klöster zu studieren. Auch Griechenland und der Vordere Orient waren für ihn von besonderem Interesse, so besuchte er die Museen und Sammlungen in Athen, Konstantinopel und Jerusalem. Ab 1910 bereiste er Syrien, Palästina, den Sinai und mehrfach Ägypten.

Zahlreiche Aegyptiaca bilden einen wesentlichen Bestandteil der Sammlung, darunter verschiedene pharaonenzeitliche und ptolemäische Steindenkmäler, Uschebtifiguren, Terrakotten und Gläser. Hervorzuheben sind besonders die Mumienkartonagen und Mumienportraits. Der spätantiken, byzantinischen und frühislamischen Zeit gehören koptische Plastiken aus Holz und Stein, Weihrauchgefäße, Menasampullen, Brotstempel, Lampen, Kreuze, silbernes und bronzenes Kultgerät orthodoxer Kirchen an sowie koptische Textilien. Seine Liebe gehörte aber auch stets den Ikonen, die er in Russland, Griechenland, Konstantinopel, Kreta, Palästina, Ägypten und Italien zusammengetragen hatte.

Die Sammlung umfasst etwa 150 Ikonen, die zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert entstanden sind. Neben diesen beiden Schwerpunkten enthält die Prinz Johann Georg-Sammlung auch Terrakotten, schwarz- und rotfigurig bemalte Vasen aus Griechenland, Grabreliefs aus Palmyra, verschiedene mittelalterliche Steindenkmäler sowie kunsthandwerkliche Gegenstände mit christlicher Thematik aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Ursprünglich befanden sich auch zahllose Aquarelle und Handzeichnungen überwiegend des 19. Jahrhunderts in der Sammlung, die jedoch bereits kurz nach dem Tod des Prinzen veräußert wurden.

Das Kultusministerium des Landes Rheinland-Pfalz konnte im Wintersemester 1949/1950 die ungewöhnliche Sammlung des Prinzen Johann Georg erwerben und sie dem Kunstgeschichtlichen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz anvertrauen. Seit 1981 befindet sie sich als Dauerleihgabe im Landesmuseum Mainz und bildet seither einen festen Bestandteil in der Dauerausstellung des Museums.

 

Exponate der Prinz Johann Georg-Sammlung (Auswahl)

Prinz Johann Georg von Sachsen (1869-1938) Gesichtsmaske eines Mumienkartonage-Ensembles (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Zwei Teile einer Mumienauflage aus Kartonage (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Grabstatue eines Mannes (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Doppelbalsamarium (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) figurierter Wollstreifen (Clavus) (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Bemalte Holzscheiben (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Ikone Johannes der Täufer als Engel der Wüste (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Ikone Der Prophet Elia vor der Höhle (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Holzkasten für den Kelch mit Darstellung des Abendmals (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Hauskreuz (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Muschelschale mit Christusdarstellung (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Reliefplatte mit Engel und Entschlafenen (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Menasampullen (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz) Elfenbein- und Knochenschnitzereien (Foto: Ursula Rudischer, Landesmuseum Mainz)