Objekt des Monats - Oktober 2015

Rotes Erz mit langer Geschichte

aus den Geowissenschaftlichen Sammlungen

Zinnober ist das bekannteste Quecksilbererz. Wissenschaftlich wird das Mineral „Cinnabarit“ genannt – abgeleitet vom lateinischen Wort „cinnabaris“, das wiederum auf den persischen Begriff „zinjfrah“ zurückgeht – zu Deutsch: „Drachenblut“.

Diesen Namen verdankt Zinnober seiner hellroten, aber auch braunroten bis schwarzen Farbe. Das Erz gehört zur Mineralklasse der Sulfide und hat die chemischen Formel HgS. Nur selten bildet es schöne tafelige oder prismatische Kristalle des typischen trigonalen (d.h. mit dreizähliger Achse) Kristallsystems aus, stattdessen liegt es meist in derben bis körnigen Massen vor. Es ist relativ weich, laugen- und säureresistent und löst sich nur in Königswasser. Zinnober bildet sich hydrothermal, d.h. als Ausfällung aus heißen, bereits stark abgekühlten Wässern im Gestein, die beispielsweise an heißen Quellen oder in Bruchzonen um vulkanische Schlote vorkommen. In Deutschland findet man Zinnober bei Olpe im Sauerland und an zahlreichen Stellen im Pfälzer Bergland. Hier schuf der permische Vulkanismus vor 280 Millionen Jahren zusammen mit tektonischen Bewegungen Spalten und Klüfte im Gestein, in denen sich dann Erze aus metallhaltigen Lösungen abschieden – darunter auch Zinnober. Das weltweit größte bekannte Zinnobervorkommen findet sich in Spanien in der Nähe der Stadt Almadén. Weitere Fundorte von Zinnober liegen in China, Kirgisistan, Serbien, der Ukraine und der Toskana in Italien.

Mit 87% Metall-Gehalt ist Zinnober das wichtigste und häufigste Quecksilber-Mineral. Quecksilber wird für die Herstellung von Batterien, Quecksilberdampflampen, für Amalgame in der Zahnmedizin, in der Homöopathie und für Thermometer verwendet. Außerdem wird Quecksilber für die Gewinnung von Gold bei der Goldwäsche genutzt.

Auch wenn Zinnober schon vor 3000 bis 4000 Jahren in China bekannt war, wurde es in Europa erst seit dem 6. Jahrhundert vor Christus bei den Griechen verwendet. Bereits die Römer bauten Zinnober an der spanischen Fundstelle Almadén ab und benutzten es als rotes Pigment in der Wand-, Tafel- oder Buchmalerei. Das enthaltene Quecksilber wurde bei der Spiegelherstellung eingesetzt. 1556 beschrieb Georg Agricola in seiner Schrift „De re metallica“ die Gewinnung von Quecksilber aus Cinnabarit. Das Zinnobererz wurde durch Waschen angereichert, in geeigneten Gefäßen geröstet und die entstehenden Quecksilberdämpfe schlugen dann in einfachen Kondensationseinrichtungen nieder. Als Pigment wurde Zinnober ab dem 15. Jahrhundert von den europäischen Malern in großem Umfang eingesetzt. Das leuchtende Rot war vor allem zur Darstellung von Gewändern und Umhängen beliebt.

Bereits im frühen Mittelalter begann man, quecksilberhaltige Erze auch in Rheinland-Pfalz abzubauen. Abbaugebiete lagen unter anderem am Moschellandsberg bei Obermoschel, bei Stahlberg und Mörsfeld im Donnersbergkreis, aber auch am Potzberg im Nordpfälzer Bergland und am Lemberg an der Nahe. Zuerst wurde silberhaltiges Erz, meist Fahlerz, abgebaut und später, als das Silber versiegte, stieg man auf Quecksilber um. In zwei Hauptbergbauperioden, die durch den Dreißigjährigen Krieg unterbrochen waren, konnten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts im jährlichen Mittel zum Teil mehr als 40 Tonnen Quecksilber gefördert werden. In den Jahren 1770 bis 1780 kamen aus dem Moschellandsberg und dem Stahlberg jährlich jedoch nur noch zwei Tonnen Quecksilber, aber in den letzten Abbauperioden von 1936 bis 1942 konnten aus minderwertigen Restvorkommen und Haldenmaterial des Stahlberges und des Moschellands-berges wieder 250 Tonnen Quecksilber destilliert werden.

Auch wenn seit 2013 aus Umweltschutzgründen der Abbau von Quecksilbererzen eingeschränkt ist, findet sich Quecksilber immer noch in geringen Mengen in Batterien und Quecksilberdampflampen. Den größten Anteil bei der Verwendung von Quecksilber hat heute der Einsatz in Amalgam in der Zahnmedizin.

Apl.-Prof. Dr. Kirsten Grimm, Kuratorin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen

 

Literatur (Auswahl)
Georg Agricola: De re metallica libri XII, Basel 1556

Christof Poser und Herbert Lutz: Mineralien aus Rheinland-Pfalz, Naturhistorisches Museum Mainz, Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz, 2004

Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde, Berlin 1983

Fritz von Beroldingen: Bemerkungen auf einer Reise durch die Pfälzischen und Zweybrückschen Quecksilber-Bergwerke, Berlin 1788